Claudia Dorninger-Lehner

Studium der Architektur an der TU-Wien und der University of Strathclyde in Glasgow,
Diplom 1997
Lehrgang für künstlerische und angewandte Fotografie an der Prager Fotoschule Österreich,
Diplom 2015
Résidence d'artiste Clervaux - cité de l'image, September 2016.


Ausstellungen
2019
"Urbane (De)kodierungen", © Foto Wien - Monat der Fotografie, Sehsaal Wien
"foam:idable - über:schäumend", Kunsthaus Obernberg

2018
"Fotografie trifft Malerei", NÖ Tage der offenen Ateliers, Talentegarten Mödling
„unsichtbar::sichtbar“, WUK Projektraum
Curated by BM Kuratoren, Five Plus Art Gallery, Wien
Das kleine Format, Galerie Morteveille, Wien
„Was bleibt“, Einzelausstellung Galerie LIK, Wien
„Augenblicke der Gegenwart“, Garage 01 ArtLife, Wien 

2017
"Zeitspannen", gemeinsam mit Rob Bansky, Architekturforum Linz
Zeitlos, Eröffnungsausstellung off-festival Wien
photo::vienna I Werkschau, Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien
Bildgegenwarten, Einzelausstellung im Talentegarten Mödling
Neuland I Pinhole, Fotoausstellung im Foto Quartier Wien
Sport, Haus der Fotografie Wien

2016
"Walk of Arts", Großflächenprojektion des Vereins Kunstschaffen, Wiener Standorte Nähe Naschmarkt und Längenfeldgasse
Pinhole Stadt I Land, Haus der Fotografie Wien

2015
Prag - Ausstellung der Prager Fotoschule, Photo+Adventure Wien
photo::vienna I Werkschau, Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien
Präsentation „Vier Sekunden Gegenwart“, Ars Electronica Center Linz, Deep Space
WeiterBILDung - und welchen Beitrag KünstlerInnen dazu leisten können, ip-forum, Wien 



Raum und Zeit  -  Ausstellung "Bildgegenwarten" 

Claudia Dorninger-Lehners Arbeiten sind alles andere als „einfache“ fotografische Abbildungen. Aufgrund differenzierter technischer Raffinessen schafft sie in ihren Werken eine neue Art der Realität, die Zeit und Raum im Bild vereinen und eine ihr ganz eigene malerische Ästhetik wieder spiegeln. Die konzeptuellen Arbeiten werden in Werkserien subsumiert, die teilweise inhaltlich und zeitlich abgeschlossen sind oder aber auch sich über Jahre - immer wieder aufgreifend - erstrecken können.
 
So entstand 2013 im Museum der Moderne in Salzburg die Werkserie „Mensch und Raum“. Menschen, im Museum gehend, seziert die Künstlerin als in Zeit und Raum „eingefrorene“ Wiedergabe von Bewegung. Nicht nur die ästhetische Wahrnehmung des Bildbetrachters wird dabei erweitert, sondern das räumliche und zeitliche Erleben wird thematisiert. Die Architektur des Museums bildet den beschränkenden Rahmen und umschließende Konstante der agierenden Personen. 

Die Bewegung ist schließlich auch der Ausgangspunkt der seit 2014 laufenden Serie „Eiszeit“. Der Drehmoment von Eiskunstläufern wird fotografisch analysiert und zu einem in Zeit und Raum aufgelösten Formgebilde. Der durch technische Umsetzung erreichte malerische Effekt evoziert beim Betrachter den Moment der verlängerten Gegenwart, die aber gleichzeitig still zu stehen scheint. In der Arbeit „Spielraum“ werden schließlich die in „Eiszeit“ begonnenen ausgearbeiteten Elemente nochmals gesteigert, indem nun die agierende Figur fünf Mal inmitten der Bewegung festgehalten wird. 

Die Architektur – ein wichtiger Impulsgeber für die Künstlerin – spielt in vielen Serien das basierende Element. In der 2015 begonnenen Werkgruppe „Vier Sekunden Gegenwart - Perzeption von Architektur im Kontext der Zeit“ analysiert die Künstlerin: „Was genau sehen wir in jener Zeitspanne, die wir als Gegenwart wahrnehmen? Wie würde ein Bild aussehen, das alle visuellen Eindrücke in einer Ansicht vereint?“ Unterschiedliche architektonische Motive werden vier Sekunden lang belichtet und so werden die klaren Linien des Motivs in malerisch fließenden Auflösungen sichtbar. In dieser Werkgruppe stellt die Künstlerin die Frage nach der Wahrnehmung und deren Veränderung. Der Moment der Gegenwart wird dabei neu interpretiert. Es ist ein Denkanstoß für den Betrachter sich dessen bewusst zu sein und die Sinneseindrücke neu zu überdenken und zu reflektieren. 

In der 2017 entstandenen 16teiligen Werkgruppe „Neuland“ hält die Künstlerin Eindrücke, die sie zufällig im Alltag entdeckte, mit der Kamera innerhalb eines Tages fest. Die unscharfe und schemenhafte Schwarz-Weiß Ästhetik lässt viel Raum für Gedanken. Die in die Abstraktion gesteigerte Wiedergaben werden durch den „experimentellen“ Druck noch weiter erhöht. Der Titel „Neuland“ wurde deshalb gewählt, da für den Betrachter sich neue Eindrücke ergeben können und so Neues entstehen kann. 

Mag.Gabriele Baumgartner, Kunsthistorikerin




"Augenblicke der Gegenwart" - Ausstellung "Zeitspannen" im Architekturforum Linz

Vier Sekunden, keine zwei und ebenso wenig drei. Zu viel? Zu wenig? Eins, zwei, drei, vier - und schon vorbei. Aber immer noch im Rahmen der Bedeutung eines "Augenblicks" angesiedelt.

Für die Zeit, von der man behauptet, sie stehe niemals still, ein langer Atemzug, in dem sich die Wirklichkeit aufzulösen scheint wie die klaren Linien der Zeichnung in einem Aquarellgemälde. Die Zeit: in ihrem flüchtigen Wesen ist sie unendlich. So kann man sie als Zeuge deuten von der Gestaltung des Raumes, seinen Krümmungen, Schichten, Dimensionen, Wiederholungen, Veränderungen, Zerstörungen und Erneuerungen. Die Bewegung ist fühlbar, die Spuren sind sichtbar - und das in nur 4 Sekunden. Es flimmert, es vibriert, zittert, mehrere Realitäten - verzerrt - finden sich in einem Bild vereint.

Gelingt es Claudia Dorninger-Lehner Zeit zu visualisieren? Ihre Fotografien erzählen von etwas Fließendem. Sie beschreibt ein sich ständig wandelndes Phänomen, das ungreifbar bleibt, sich jedoch gleichzeitig erahnen lässt. Gebilde menschlicher Gestaltung zeigen sich geisterhaft, verwischt und unwirklich. Tatsächliche Motive werden aus ihrer Wirklichkeit herausgelöst und sind nur bruchstückhaft wahrzunehmen, sie sind nicht vollständig.

Die Zeit nagt an Mauern, zerfleddert Flächen und bricht Formen auseinander. Im Licht der kurzweiligen Gegenwart zeigt sie sich gefräßig und gierig.

Annick Meyer, Clervaux - cité de l'image a.s.b.l.