Vier Sekunden Gegenwart

Was genau sehen wir in jener Zeitspanne, die wir als Gegenwart wahrnehmen? Wie würde ein Bild aussehen, das alle visuellen Eindrücke in einer Ansicht vereint? Die Fotos stellen den Versuch dar, Antworten auf diese Fragen zu finden und darüber hinaus in der Verdichtung verschiedener Wahrnehmungsbilder neue bildnerische und emotionale Qualitäten zu entdecken. Zielvorstellung ist dabei eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung, denn unsere visuell erfasste Welt wird nur als eine unter vielen möglichen Wirklichkeiten erlebt, niemals aber als objektiv feststehende Realität. Der Betrachter soll aufgefordert werden, sein Bild für sich selbst zusammen-zusetzen und dabei seine eigene Umwelt zu entdecken.

"In meinen vier Sekunden lang belichteten Bildern war ich neugierig zu sehen, welche Bildeindrücke Menschen zu einem einzigen Gesamtbild zusammensetzen. Dabei wurde insbesondere die Diskrepanz zwischen den klaren Linien der modernen Architektur und der malerischen fließenden Auflösung im Bild sichtbar. Wiederum gelingt es dabei wohl nur, einen Ausschnitt aus dem Fluss der Zeit festzuhalten, dieser aber sollte die Tragweite individuell verinnerlichter Gegenwärtigkeit widerspiegeln. Mein Anliegen war, dazu zu animieren, gelegentlich inne zu halten und manches mit anderen Augen zu sehen, ja besser noch, das Gesehene zu verinnerlichen und zu erleben. Max Frisch, Architekt und Schriftsteller, schreibt „die meisten verwechseln Dabeisein mit Erleben“. Vielleicht gelingt mit meinen Bildern ein wenig, Fotografie zu erleben, und die Neugierde zu wecken, sich auch von den realen Objekten ein Bild machen.“