Traumwirklichkeit

„Verfolgung, Verlassenheit und Heimatsuche bleiben auch nach der Terrorisierung durch den Nationalsozialismus elementare Erlebnisse, die ihrem Denken und Schreiben gleichsam als Tiefenstruktur mitgegeben sind. Sie verhindern eine dauernde Bindung an einen Ort oder Menschen, die nicht ursprünglich zu ihrem Leben Bezug hatten. Alle neuen Begegnungen bleiben im flüchtigen Bereich. So formt die Selbstfindung im Wort, im immer wieder neu definierten Wort, die zerbrechliche Struktur ihrer inneren und äußeren Welt. Die Phantasie muss helfen, einer durch Missachtung und Fremdbestimmung zerrissenen Existenz einen Rahmen zu geben. Die Melancholie ist dabei der geistige Raum des Überlebens. Der Dialog bildet die Form der Bewältigung.“ (Bruni E. Blum)

Rose Ausländer, geboren 1901 in Czernowitz Bukowina, gestorben 1988 in Düsseldorf, gilt als eine der meistgelesenen Lyrikerinnen Deutschlands. Sie studierte Literaturwissenschaften und Philosophie und überlebte als Jüdin die Jahre der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1946 wanderte sie in die USA aus und kehrte erst 1964 wieder nach Europa zurück. Ausländer veröffentlichte mehr als 30 Gedichtbände und erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, u.a. 1977 den Andreas-Gryphius-Preis, 1980 die Roswitha Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim und 1984 den Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste.