Vier Sekunden Gegenwart

Was sehen wir in jener Zeitspanne, die wir als Gegenwart wahrnehmen? Wie würde ein Bild aussehen, das alle visuellen Eindrücke in einer Ansicht vereint?

Dieser Frage bin ich bereits in meinen Arbeiten „Vier Sekunden Gegenwart“ und „Augenblicke der Gegenwart“ nachgegangen, in welchen ich mich mit Perzeption und Apperzeption von zeitgenössischer Architektur in den Stadterweiterungsgebieten Wiens und von ländliche architektonische Strukturen und historischen Burgen in und um Clervaux/Luxemburg auseinandergesetzt hatte.

Nun galt mein Interesse den dicht besiedelten Metropolen Asiens. Ich wollte visuelle Antworten auf die sich dort eröffnenden neuen Eindrücke finden und Möglichkeiten eines fotografischen Diskurses im Licht einer zeitlichen Verinnerlichung ausloten. Das waren für mich nicht nur neue interessante Herausforderungen, es bedeutete auch einen weiteren Schritt in meinem Langzeitprojekt der Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung und Erfassung von Impressionen, welche wir vermeintlich als im Augenblick erfahren empfinden. Es war spannend zu erleben, wie sich die Bildsprache und Bildästhetik, die sich dadurch konstituiert, dass ich die Kamera wie in meinen vorangegangenen Arbeiten meinem Blick vier Sekunden lang folgen ließ, in dieser gänzlich neuen und andersartigen Umgebung veränderte. Wie immer steht auch hier die Frage nach der visuellen Wahrnehmung und deren Veränderung im Vordergrund. Der Betrachter soll zu einer bewussten Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung aufgefordert werden und dabei erfahren, dass unsere visuell erfasste Welt nur als eine unter vielen möglichen Wirklichkeiten erlebt werden kann, eine als objektiv feststehende Realität sich uns aber niemals eröffnet. Jeder soll sein Bild für sich selbst zusammenzusetzen, seine eigenen Sinneseindrücke überdenken und neugierig werden, hinter die Dinge zu sehen.